Freimaurer-Rituale

»Das Schönste und Tiefste, was der Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen. Es liegt der Religion sowie allem tieferen Streben in Kunst und Wissenschaft zugrunde. Wer dies nicht erlebt hat, erscheint mir, wenn nicht wie ein Toter, so doch wie ein Blinder. «
– ALBERT EINSTEIN

Was die Freimaurerei im Kern von anderen einigermaßen vergleichbaren Organisationen wie bspw. Rotariern und Lions unterscheidet, sind die geheimnisumwitterten Rituale – gewissermaßen unser Jahrhunderte altes Brauchtum, das wir vermutlich von den Steinmetzbruderschaften des Mittelalters übernommen haben; genaueres lässt sich leider nicht mehr zweifelsfrei feststellen, weshalb es natürlich umso unterhaltsamere Spekulationen gibt.

Nun sind ja Rituale an sich auch nichts Besonderes. Jede Gemeinschaft hat ihre Rituale. Das Besondere der freimaurerischen Rituale ist aber, dass über Jahrhunderte hinweg ein großes Geheimnis aus ihnen gemacht wurde. Noch heute geloben Brüder mit dem Eintritt in eine Loge traditionell Verschwiegenheit gegenüber Außenstehenden, was die genauen Abläufe des Rituals angeht. Was es mit diesem Verschwiegenheitsgelübde auf sich hat und warum die Brüder noch heute daran festhalten, erkläre ich ebenfalls in meinem Buch »Freimaurer in 60 Minuten«. Fakt ist aber: Auch wenn die Rituale immer noch geheim gehalten werden, sind sie es längst nicht mehr. Man findet sie u. a. in jeder guten Unibibliothek – allerdings neben viel Abstrusem – Phantasieritualen, die meist von Gegnern erfunden wurden, um die Freimaurerei zu verleumden. Da auch ich Verschwiegenheit über die genauen Abläufe gelobt habe, möchte ich hier nur auf die Wirkung und Struktur eingehen – mit einem zeitgenössischen Vergleich:

Vereinfacht handelt es sich bei unseren Ritualen um Wechselgespräche in feierlicher und entschleunigter Atmosphäre. Ich spreche gerne stark überspitzt von »abendländischem Yoga«, weil auch beim freimaurerischen Ritual Phasen der Anspannung mit Phasen der Entspannung wechseln, um dadurch einen konzentrierten Zustand zu erreichen. Sportler kennen diesen Prozess und Effekt, in dem sie bspw. durchs Joggen den Kopf frei bekommen und sie sich danach entspannt aber zugleich fokussiert fühlen. Dem freimaurerischen Ritual liegt ein ähnliches Prinzip und ein ähnliches Ziel zu Grunde: Durch das Fokussieren auf alt-überlieferte ruhige Bewegungsabläufe (nein, kein Bodenturnen a la Yoga, sondern simple Gesten), Worte und Handlungen, soll es uns gelingen, die Hektik des Alltags hinter uns zu lassen, runterzukommen. Wir nennen die »Eröffnung« unserer zeremoniellen Versammlungen auch »Öffnen der Loge«, was meint, dass wir selbst unser Herz für Emotionen und unseren Verstand für neue Impulse öffnen sollen. Diese werden uns dann ganz simpel durch das Kernstück jeder sog. »Arbeit« vermittelt: Durch eine Rede (ein Bruder spricht z. B. über Kunst, Kultur, Wissenschaft oder Philosophie und zeigt freimaurerische Bezüge auf) und durch Musik. Denn nach der geistigen Anregung folgt dann wieder eine Phase der Entspannung, ein Musikstück, dass die Gefühlsebene ansprechen soll und bei dem die Brüder die Möglichkeit haben, die Impulse der Rede sacken zu lassen. Die anschließende »Schließung der Loge« soll uns dann wieder eine Brücke in den Alltag bauen. Und obwohl wir dann bei der Zusammenkunft alle geistig »gearbeitet« haben, gehen die meisten Brüder nach einer solchen Versammlung mit dem Gefühl nach Hause, sich entspannt zu haben und inspiriert worden zu sein.

Weiterführende Informationen:
Freimaurer/Freimaurerei
Freimaurer-Symbole
Freimaurer werden
Freimaurer in 60 Minuten – das Buch
Freimaurer in 60 Minuten – das Blog

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